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Legst du dem anderen Steine in den Weg oder bist du der Wind unter seinen Flügeln?

Wann hast du deine Liebste das letzte Mal gefragt, was sie braucht, um glücklich zu sein, ihrer Antwort aufmerksam gelauscht und ihr dann exakt das gegeben? Oder bist du dafür zu stolz? Zu sehr vom eigenen Ich besessen? Das ist okay. Doch dann beklage dich nicht, wenn sie weiterzieht. Sie muss. Sicher ist dir schon aufgefallen, dass Beziehungen sehr verschiedene Phasen durchlaufen. Ihr seid herausgefordert, immer wieder neu zu überprüfen, auf welche Weise ihr eure Grundbedürfnisse aktuell am besten stillen könnt. Menschen verändern sich. Beziehungen verändern sich. Und so werden sich auch die Themen eurer Beziehung verändern müssen. Kein einzelner Grund hält euch ewig zusammen. Vielleicht war es heftiger Sex, der euch zusammenbrachte. Doch irgendwann habt ihr alle Stellungen durch.

Vielleicht bestand die Hauptaufgabe eurer Beziehung über viele Jahre darin, Kinder miteinander großzuziehen. Was hält euch zusammen, wenn sie das Haus verlassen? Ich kenne Frauen, die sind, wenn sie ganz ehrlich sind, nur noch da, weil sie sich finanziell abhängig fühlen. Was, wenn sie irgendwann ihr eigenes Geld verdient? Was lässt sie dann gern bei dir bleiben? Welcher Grund auch immer euch heute miteinander in Beziehung stehen lässt, er wird irgendwann hinfällig werden.

Wenn du möchtest, dass ein geliebter Mensch langfristig gern und wach in deinem Leben bleibt, beginne, deine Beziehung zu ihm als ein natürliches Dienstleistungsunternehmen zu betrachten. Hilf ihm, sich zu erfüllen und er wird es lieben, mit dir zusammen zu sein. Ganz wichtig ist dabei: Beachte den Unterschied zwischen manipulativem Dienen und freier Unterstützung. Wenn dein Geben durch starkes Eigeninteresse gefärbt ist, fühlt es sich für den anderen klebrig und schwer an. Er spürt instinktiv, dass er eine Verpflichtung eingeht, wenn er dein Geschenk annimmt. Menschen, die manipulativ dienen, sind selbst unerfüllt. Sie erhoffen auf Umwegen etwas zu bekommen, das sie sich selbst nicht geben können. Du merkst es daran, wenn dich dein Dienen auf Dauer erschöpft. Dann ist es mit Anstrengung und Hintergedanken verbunden. Wenn du manipulativ unterstützt, willst du etwas zurück. An deinem ›Geschenk‹ kleben Erwartungen. Der andere fühlt sich schuldig, wenn er nicht auf eine bestimmte Weise reagiert.

Freie Unterstützung bedeutet, in der Lage zu sein, die Grundbedürfnisse eines anderen Wesens zu erkennen und ihm ohne eigene Absicht bei deren Erfüllung zu helfen. Natürlich ist dies ein Idealzustand. Ich weiß nicht, ob es möglich ist, sich von manipulativem Dienen gänzlich zu befreien und nur noch bedingungslos zu geben. Ich ertappe mich jedenfalls immer wieder mal dabei, enttäuscht zu sein, wenn meine Tochter auf ein Geschenk nicht so reagiert, wie ich es erhofft habe oder wenn Andrea nicht angemessen gerührt von dem »Opfer« ist, das ich an der einen oder anderen Stelle unserer Beziehung bringe. Doch wenn wir bereit sind, unsere Manipulationsversuche nüchtern als das zu sehen, was sie sind, vielleicht sogar darüber zu schmunzeln und sie dann loszulassen, können wir die Qualität unserer Unterstützung weiterentwickeln. Wenn wir sie schönreden, bleiben wir stehen, wo wir sind.

Lindau, Veit. Liebe radikal: Wie du deine Beziehungen zum Erblühen bringst (German Edition) (S.291-294). Kailash. Kindle-Version.

Ihr Lieben,

über diesen Satz „Wenn du möchtest, dass ein geliebter Mensch langfristig gern und wach in deinem Leben bleibt, beginne, deine Beziehung zu ihm als ein natürliches Dienstleistungsunternehmen zu betrachten“ bin ich gestolpert und musste erst einmal darüber nachdenken.

Da ich seit 37 Jahren glücklich in einer Beziehung lebe und hier auch meinen Seelenpartner gefunden habe, sträubte sich erst einmal alles in mir die Sache so zu betrachten. Nach längerer Überlegung kam ich dann aber zu dem Schluss, dass es wohl genauso ist. Meine Wortwahl fällt nicht so extrem Nüchtern aus aber im Grunde läuft es auf ein und dasselbe hinaus.
An einer Partnerschaft muss man ständig und immer arbeiten, wenn eine Partei sich „gehen“ lässt, dann kann es ganz schnell zu unterschiedlichen Wegen kommen. Natürlich ist es am Anfang immer die Verliebtheit, dann meist die Kinder und in dem Fall ist es extrem wichtig, dass insbesondere die Mutter ihr/e Kind/er, wenn sie alt genug sind, loslässt und nicht versucht sie für immer in ihrem Leben zu halten. Dieses Phänomen beobachte ich ganz viel in meinem Bekanntenkreis und mich überrascht es, dass die Anderen nicht erkennen wie sie versuchen die Kinder einzuengen und zu kontrollieren. Daraus entsteht dann auch oft eine Eifersucht des Ehepartners und er fühlt sich ausgegrenzt. Für eine Partnerschaft egal in welche Richtung Eheleute oder Kinder bedarf es in meinen Augen 4 Dinge: -Liebe, -Vertrauen, -Ehrlichkeit und -Toleranz.

Einfache Worte die es in sich haben. Liebe kommt einfach zu uns geflogen. Vertrauen und Ehrlichkeit sind zwei sehr schwierige Bausteine die man sich hart erarbeiten muss, denn wenn wir uns gegenseitig absolut Vertrauen und Ehrlich zueinander sind, dann machen wir uns auch sehr verletzlich. Aus der Angst heraus verletzt zu werden, blocken wir hier meist ab, wenn man es aber auf das Risiko ankommen lässt und beide Parteien daran arbeiten, dann kann ein sehr erstrebenswertes Ergebnis herauskommen. Toleranz ist für mich ein weitgefächerter Begriff unter dem ich viele Sachen bündele wie z.B. - gegenseitige Eifersucht was heißt man muss gönnen können, wenn eine Seite sich eine Anschaffung, Reise… gönnt, dann sollte die andere Seite ohne Nebengedanken gönnen können; - gegenseitige Unterstützung in Themen die einem wichtig sind auch wenn man eine andere Meinung dazu hat; - sich gegenseitig nicht einengen, durchaus auch eigene Freunde oder Freundinnen haben; -einfach gegenseitig Großzügig sein; -sich selbst und seinen Partner schätzen… .

Aus dieser Perspektive betrachtet ist es wohl doch wie ein Dienstleistungsunternehmen in dem es um Angebot und Nachfrage geht und übersetzt heißt, dass das Geben und Nehmen immer im Einklang stehen muss ansonsten holt man sich ein anderes Angebot ein und trennt sich ggf. von seinem Geschäftspartner.

Für mich eine sehr interessante Erkenntnis.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Barbara

Liebe Barbara,

das hast du schön geschrieben, ich kann dem zustimmen. Ja, es stimmt, eine Liebesbeziehung wie ein Dienstleistungsunternehmen zu betrachten, mutet auf den ersten Blick seltsam an. Aber es stimmt. Geben und Nehmen müssen im Einklang stehen, ebenso die Wünsche der Partner an die Beziehung. Ist es nicht ausgewogen, ist zumindest einer der beiden unzufrieden und wird sich langfristig anderswo seine Zufriedenheit suchen.

Wenn du deinen Seelenpartner gefunden hast, dann ist es leicht, eine gute Beziehung zu führen. Wenn 2 Menschen so unterschiedlich sind, wie mein Mann und ich, dann ist es echt eine Herausforderung. Es geht nur über Reden und Abstimmen. Und braucht viel Geduld bei Veränderung.

Liebe Grüße

Sylvia